Pleite gehen aus der Serie: Dinge die man nicht machen sollte
Hallo Fremder.
Du bekommst nun Einblicke in meine Person, die ich vor nicht mal einem Jahr noch nicht mal meinen engsten Vertrauten gewährt hätte. Warum das so ist, liest Du am Ende meines Postings.
Also.
Zu den Dingen, die man nicht machen sollte, gehört ganz bestimmt eines und da sind vermutlich viele Menschen mit mir einer Meinung.
Pleite zu gehen.
Oder sollte man? Man lernt viel und verliert einiges an Hochmut. Man stellt fest, wie dumm und überheblich man manchmal ist.
Zur Erklärung: Ich bin/war Selbstständig als Website-Alles-Macher (Design/Programmierung/SEO/Marketing…).
Nunja, man möchte nicht Pleite gehen, passieren tut es trotzdem. Vielen Leuten. Die Zahl der Insolvenzen in Österreich und Deutschland zeigt, dass es ein Boot ist, in dem ich nicht alleine rudere.
Alle Erklärungsversuche bei Seite, ist meine Pleite Fehlern verschuldet die ich gemacht habe. Kombiniert mit der Tatsache, dass ich so und so nicht der Geschäftsmann des Jahres bin
, ergibt sich eine fatale Mischung die zum Scheitern führen muss. Schön wenn man das hinterher weiß, nicht war? (evilgrin)
Als junger Unternehmer freut man sich über jeden Auftrag und möchte jeden Auftrag unter fast jeder Kondition erfüllen.
Das ist ein fataler Fehler.
Warum?
Wenn man jeden Auftrag macht, hat man keine Resourcen, wenn die wirklich guten Aufträge kommen. Manchmal schafft man es dann mit Nachteinsätzen die Situation gerade so zu retten.
In meiner Geschichte war es diesmal eine Nummer zu groß und ist in die Hose gegangen. Ich war so dumm, dass ich begonnen hatte, mich darauf zu verlassen, dass ich es im Zweifelfall immer schaffen werde (Hochmut) eine Sache “hinzubiegen”, da ich schon oft durch Nachtschichten Projekte auf die letzte Minute fertig bekommen hatte. Am Ende war dann immer alles gut und daraus ist eine falsche Gewissheit gewachsen. Welche persönlichen, körperlichen und emotionalen Opfer das allerdings gefordert hat, lasse ich vorerst bei Seite.
Zumindest der Körper und der Geist haben sich später (dieses Jahr) für die Jahre ewiger Hochseilakte am Limit der Belastung revanchiert. Irgendwann kann man keine Megaktionen mehr stemmen, weil der Kopf und der Körper verweigern. Man wird ein Stück weit Gaga.
Aber zurück zur Geschichte. Es hat sich folgende Situation gesponnen:
An sich hatte ich über die Jahre eine ganz gute Preiskalkulation für meine Weblösungen gefunden (etwas zu billig aber gerade noch vertretbar). Dadurch dass ich einen Mitarbeiter einstellen wollte, bin ich aber unter Druck gekommen besonders viel Geschäft machen zu wollen und dadurch habe ich die Rabattschiene gefahren. Bei einer bereits zu günstigen Lösung die rein kalkulativ kein Polster hat.
Das Projekt “Mitarbeiter einstellen” war also eine reine Egonummer, dass ist mir inzwischen klar. Damals habe ich es mir aber mit Vernunftgründen plausibel gemacht bzw schön geredet. Es war aber das Ego. Nicht die Vernunft. Die beiden sehen sich nur manchmal zum Verwechseln ähnlich, denn das Ego kann sich gut tarnen.
Durch die Sonderaktion habe ich dann zu viele kleine Websitelösungen verkauft, was sohl kurzfristig Geld bringt, bei denen ich den Arbeitsaufwand unterschätzt habe. Denn auch ein Kunde der einen unvernünftig günstigen Preis zahlt, möchte vollen Serviceumfang haben. Das ist mir heute klar, damals war es dass nicht.
Ich dachte: Halber Preis – zumindest reduzierter Service. Jeder erfahrene Geschäftsmann denkt sich jetzt vermutlich: Esel. Ich inzwischen auch.
Nun denn. Im Zeitraum der Aktion wo ich besonders viele kleine Weblösungen an den Mann gebracht habe, habe ich nun auch zwei besonders große Geschäfte abschließen können. Eines war eine Eweiterung einer bestehenden Lösung, ein anderes war ein Neugeschäft, dass sich aus 6 Monaten Gesprächen entwickelt hat. Zusammen hatten die beiden Geschäfte den Umfang eines guten Jahresumsatzes . Geld. Viel Geld. Was war ich stolz. Was war ich dumm.
Der Rest ist schnell erklärt. Desto mehr Zeit verging, desto mehr hat mich die Situtation Arbeitstechnisch als auch Persönlich überfordert (Begonnen hat alles vor einem Jahr, im Oktober – da kamen die Monsteraufträge). Ab Jänner hatte ich den Mitarbeiter, nur habe ich Schlauberger jemanden aus einem technikfernen Bereich geholt um das Telefon und das Backoffice zu machen, damit ich mich in Ruhe rein auf die technische Arbeit konzentrieren kann.
Fehlplanung. Das hats nun dazu geführt, dass die Person technisch natürlich den Kunden nicht optimal helfen konnte (wie auch), und erst wieder 70% der Calls bei mir gelandet sind. Zeitgewinn kaum Nennenswert, da ja auch ein MA an sich Aufmerksamkeit braucht. Aber ich hatte natürlich die Kosten, und die liegen in Östeerreich schon mal bei guten 3200 monatlich, wenn mal alle Nebenkosten einkalkuliert.
Der eine große Auftrag war ein SEO Auftrag (Suchmaschinenoptimierung). Dadurch das ich aber zig kleine Aufträge hatte, konnte ich dem großen SEO Auftrag und dem zweiten großen Programmier Auftrag nicht die notwendige Aufmerksamkeit geben. Denn die vielen “kleinen” Kunden wollten natürlich Ihre Dinge auch erledigt haben (die Summe der Stimmen), was dazu geführt hat, dass ich Tag und Nacht damit beschäftigt war, tausend Erledigungen zu machen, für tausend Leute die ich am Telefon hatte. Allerdings ist dadruch natürlich nirgends wirklich etwas nach vorne gegangen. Klassisch verzettelt. Kombiniert mit dem Talent Nicht Nein sagen zu können, eine Katastrophe.
Trotzdem konnten auch bei dem SEO Auftrag kleine Fortschritte erreicht werden, allerdings hätte dieser viel mehr Aufmerksamkeit benötigt. Das wäre dem Kunden gegenüber fair gewesen.
An sich wäre das Projekt trotz aller Zustände zumindest teilweise auf der Zielgeraden gewesen, wenn dann nicht auch noch Google ein großes Update seines Algorithmus Ende Feber gemacht hätte. Zumindest der Teil war jetzt einfach Pech, denn da hat es weltweit viele Seiten erwischt.
Allerdings habe ich dann im bestreben zu retten, was zu retten ist bis Mai noch mehr Gas gegeben (da dieses Projekt jetzt auch massiv Aufmerksamkeit gebraucht hat) obwohl ich ohnehin schon über dem Limit war. Weit darüber. Dass die Rettung nicht geklappt hat, ist jetzt einfach so, Google wollte die Seite zu dem Zeitpunkt nicht nach vorne lassen.
Aber:
Hätte ich im Vorfeld mein Pluspunktkonto bei dem Kunden nicht schon so massiv belastet gehabt, wäre dann, als es “gekracht” hat, vermutlich eine bessere Gesprächsbasis vorhanden gewesen.
Der Auftrag war also gescheitert.
Das war das erste Mal, dass ich eine Situtation nicht habe retten können. Und so logisch dass in der Retrospektive erscheint dass es hat scheitern müssen – damals hat es mich dass zutiefst erschüttert und überrascht. Ich hatte felsenfest gegelaubt, dass ich das Projekt im Hauruck Verfahren nach vorne bringen kann (wie schon so oft), man sich am Ende freut und alle Sorgen bald vergessen sind.
Ich habe ganz ernsthaft Urlaubsplanungen aufgestellt, um im Herbst, wenn alles unter Dach und Fach ist, einmal abschalten zu können. Einen richtig teuren Urlaub, zur Belohnung für den Megaarbeitsseinsatz.
Aber ich hatte es nicht geschafft. Einfach nicht geschafft. Das habe ich lange nicht verdauen können.
Harte Lektion, für jemanden der es gewohnt ist , es immer zumindest irgendwie zu schaffen.
Merke: Es “irgendwie” zu schaffen ist in grundsätzlich in Ordnung, so lange es Einzelfälle sind, da man nicht immer alles planen kann. Sich allerdings darauf zu verlassen, dass es immer klappen wird und sich zu 90% darauf verlässt (bzw zunehmen angewiesen ist), ist dumm und muss einmal schief gehen. Wie hier. Im Jahr davor habe ich genau so viel Umsatz gehabt, wie ich nun auf einen Schlag verloren habe.
Nun musste ich nach Verlust des Auftrags und ca gleichzeitigem Verlust des Mitarbeiters, da das absolut nicht finanzierbar war, mit noch mehr Druck den Programmierauftrag unbedingt schaffen, da das meine finanzielle Rettung hätte sein können.
Mit komplett leeren Batterien, und bereits 6 Monaten geistiger und körperlicher maximaler Anspannung auf der Uhr, musste ich nebst vieler , nach wie vor vorhandener kleiner Aufträge eine Monsterprogrammierung in ca 2 Monaten schaffen.
Ende vom Lied war: Im Juli ist es mir schon schwer gefallen noch konzentriert zu arbeiten (ich hatte die ernsthafte Vermutung das Asperger Syndrom zu haben…) Ende Juli bin ich Sang und Klanglos zusammen geklappt. Der Kopf hat entgültig dicht gemacht.
Spätestens ab der ersten Augustwoche war ich bis ca Ende August, mehr oder weniger ein komplettes Wrack. Der Programmierauftrag ist dadurch im Sand verlaufen – der Quellcode war zu ca 95% fertig. Aber es ging nicht mehr, es war wie verhext. Ich habe manchmal 3 Stunden gebraucht um mich überhaupt auf meine Mails zu konzentrieren, geschweige denn, etwas vernünftiges zu erstellen, evenutell auch noch kreativ… No way.
Dann kam auch schon der Konkursantrag von der GKK (Gebietskrankenkasse), wegen ein paar unbezahlter Beiträge und auch andere unbezahlte Rechnungen haben mich immer mehr eingeholt. Alles was danach kam war manchmal positiv und manchmal negativ aber hauptsächlich war es Scherben zusammen kehren, Schadensbegrenzung und persönliches Verarbeiten um vom Wrack wieder zum Menschen zurück zu mutieren.
Die ganze Sache hat mich verändert. Und ich glaube es war positiv, auf einer persönlichen Ebene.
Aus alten Blogeinträgen sieht man, dass ich selten viel persönliches gepostet habe .Auch wird man über mich in Facebook nahezu nichts finden (kaum genutzter Account, da ich dass Zeug nicht mag), dass einzige Forum in dem ich intensiver beruflich gepostet habe ist sei 2 Jahren offline. Ich hatte immer Angst ein falsches Bild zu werfen und habe mich daher in Schweigen geübt.
Obwohl das Internet dass Medium ist, mit dem ich seit langem mein Geld verdiene stand ich persönlichen Offenbarungen immer höchst skeptisch gegenüber, habe es andererseits aber immer als positiv empfunden, wenn Menschen sich ein Herz fassen und ehrlich sind.
Nun denke ich mir:
Ich habe mich etliche Jahre in Zurückhaltung geübt, jedes Wort kontrolliert und mein Image gepflegt indem ich kaum Punkte zum anecken geliefert habe.
Um mein Image, Reputation und vieles mehr am Ende zu verlieren, komplett Selbstverschuldet.
Es gibt jede Menge Menschen die mich nicht mehr mögen, hauptsächlich da ich Geld und/oder Arbeit schulde.
Mein Image ist daher sowas von Down-the-drain, ich hätte Jahrelang Fäkalausdrücke posten und Foren spamen lönnen und ich hätte es nicht besser geschafft.
Warum also die Öffentlichkeit des Netzes gleich mit einer so heftigen Sache suchen?
Ich habe durch diese ganze Sache etwas gewonnen, was ich davor nie hatte. Selbstbewusstsein zu dem zu stehen was man ist und auch das Selbstbewusstsein “Nein” sagen zu können.
Man knallt nämlich, wenn man ausbrennt, so hart auf den Boden, dass einem nichts mehr anderes bleibt, als sich klar für Dinge oder dagegen zu entscheiden (wenn man wieder einen halbwegs normalen Zustand erreicht hat – was zeit braucht). Wischiwaschi geht nicht mehr. Obwohl ich in einer finanziell mehr als bescheidenen Lage bin, lehne ich Aufträge ab, wenn ich nicht mit Sicherheit weiß, dass ich diese, einen halbwegs normalen Arbeitsaufwand vorausgesetzt, erfüllen kann. Oder wenn mir mein Gegenüber unsympatisch oder suspekt ist. Meistens hatte ich nämlich ganz besonders dann vermehrt Ärger, wenn ich diese Regungen in der Bauchgegend ignoriert oder schöngeredet habe.
Auch ein Mindestmaß an Freizeit oder zumindest außerberuflichen Projekten ist mir immens wichtig geworden. Ich würde für kein Geld dieser Welt mehr ein Mindestmaß an Freizeit eintauschen (keine Sorge ich arbeite nach wie vor 14 Stunden am Tag Minimum). Ich habe gesehen was passiert, wenn man es zu lange übertreibt. Kein Geld dieser Welt ist dass Wert. Vor Allem hat es mir unterm Strich nichts gebracht, außer dass ich massiv überarbeitet war und trotzdem pleite gegangen bin.
Und da ich diese Erfahrungen gemacht habe, sowieso generell eher ein “Outgoing” Chrakter bin und auch denke, dass ich etwas mitzuteilen habe, was vielleicht dem Einen oder Anderen nützlich sein kann mache ich dass nun auch. Ob dass nun immer schlau ist oder ich irgendeinem Anwalt mit dem Posting eine Steilvorlage liefere, weiß ich nicht. Wird man sehen. Aber ich stehe zu dem was ich sage und dem was ich teile.